2012

Wer Maybrit Illner künftig fehlt

Vergangene Woche ging er in Rente. Wolfgang Klein, 66, Redaktionsleiter von „Maybrit Illner“. Er ist ein großer Journalist. Mit seiner leichten Art, komplizierte Dinge einfach zu machen, war er schon als ARD-Korrespondent in Brüssel außerordentlich. Klein wusste, wie das geht mit dem Talk.

Krokodilstränen - Zum Ende der "FTD"

Über das Ende der Financial Times Deutschland ist ziemlich viel Blabla geschrieben worden. Das Blatt war keineswegs so innovativ und frisch, wie seine Macher am Ende vorgaben. Wer hat es eigentlich gelesen, wenn es nicht gerade kostenlos am Flughafen lag? Ein namhafter Leitartikler, der es mit der SZ oder der FAZ hätte aufnehmen können, ist aus der Redaktion nicht hervorgegangen.

Dass die Kollegen in Hamburg nun ihre Arbeitsplätze verlieren, ist bitter, keine Frage. Allerdings geht es Journalisten da nicht anders als - zum Beispiel - den Bergleuten in Bochum oder den Monteuren eines überflüssigen Opelwerks. Der Journalismus geht darüber nicht vor die Hunde. Wir müssen aber unsere Hausaufgaben machen. Sieben Thesen dazu:

Kritik, die sich zu wichtig nimmt

Verrisse und Schmähkritiken der jüngsten Zeit: Markus Lanz bekam es auf's Maul. Stefan Raab als Politik-Talker – ein Dünnbrettbohrer. Thomas Gottschalk kann es schon lange niemandem mehr recht machen.

Fernsehstars in der Kritik: Seltsam, dass so viele über sie schreiben. Wo ihre Leistungen doch so unsäglich sind, wie es heißt. Da stimmt doch etwas nicht.

Unser BLOG macht eine Pause!

Falls Sie uns vermissen: Wir machen eine Pause mit diesem BLOG. Im November sind wir wieder für Sie da.

Bettina Wulff - Ein Gerücht unter Freunden

Lange waberten die wilden Gerüchte nur durchs Internet oder wurden hinter der Hand in Hannover und Berlin verbreitet. Doch seit die Süddeutsche Zeitung am Samstag groß über den juristischen Abwehrkampf von Bettina Wulff gegen Verleumdungen berichtete, die ehemalige First Lady habe früher im Rotlichtmilieu gearbeitet, ist nun das Feuer freigegeben. Unter dem Deckmantel, sich nur mit der Weitergabe der haltlosen Unterstellungen in Politikerkreisen und Talkshows zu beschäftigen, verbreiten zahlreiche Medien nun genüßlich ihrerseits die Rotlicht-Saga.

Frauen in den Medien: Werden Sie zur Marke!

Unzählige Modelle zu weiblichen Karrierestrategien, genderspezifischen Verhaltensweisen im Beruf und femininen Ressourcen sind schon beschrieben worden. Experten erklären uns in Ratgebern zur Selbstoptimierung, wie wir ticken sollten, um unseren Anteil am Sahnekuchen zu ergattern. Und 'als Frau' erfolgreich zu sein - was immer das heißen mag.

Einerseits könnten uns die seit Jahrhunderten erfahrenen Einschränkungen, Kränkungen, (selbst)gestellte Fallen und Widerstände mutlos machen - andererseits nutzen wir noch viel zu selten die machtvollen Optionen und kreativen Ideen für authentischen Erfolg und eine freie, selbstbewusste Karriere. Die einfache Formel lautet: Werden Sie zu Ihrer eigenen Marke, zur sichtbaren Personal Brand.

Olympia-TV: Live ist nicht mehr live

„Happy and glorious“: London 2012, die Olympischen Sommerspiele sind vorbei. ARD und ZDF haben von den Übertragungen in hohem Maße profitiert. Ohne die Rekord-Einschaltquoten bei den Wettbewerben – wie schon bei der Fußball-Europameisterschaft zuvor – würden die öffentlich-rechtlichen TV-Sender 2012 in der Gunst jüngerer Zuschauer noch weiter zurückfallen. Die Bilder, die sie aus London zeigten, haben Gold verdient. Danke dafür! Bei den Kommentatoren und Moderatoren sollten bis Rio einige an ihrer Olympia-Norm arbeiten.

Freie und ihr Sommerfeeling

„Sie haben Post.“ Von wegen. Keine Mail im Kasten, die Telefone stehen still, der Lüfter des Computers ächzt. Papiere stapeln sich auf dem Schreibtisch und wollen sortiert werden. Das könnte doch etwas sein! Njet. Kein Thema. Noch nicht einmal unsere Talk-Show-Größen sind im TV zu finden. Sind wirklich alle im Urlaub? Vielleicht sogar die Zuschauer. Dann können wir das Fernsehen doch abschalten. Testbild. Und nun?

Journalismus als Sahnehäubchen?

„Nichts mehr ist fest, alles im Fluss“ schreibt Gabriele Fischer im Editorial der neuen Ausgabe von brand eins. Wieder einmal – so viel Lobhudelei muss jetzt einmal sein – ein feines Heft, diesmal über das Thema Digitale Wirtschaft. Der Urheberrechtsstreit und die Frage, wie wir Journalisten in den modernen Zeiten überleben werden, bewegt die gesamte Branche. „Wenn Journalismus bleibt, wie er ist, bleibt er nicht“, bemerkte Miriam Meckel jüngst. Mögen Printpäpste auch das Überleben der guten (wenn schon nicht der alten) Zeitung beschwören - wo stehen die Dinosaurier der Print-Branche tatsächlich?

"We love Lloret"? KInders, bleibt zu Hause!

"Spanien? Irgendwo hier, oder?" Privatfernseh-Zuschauer kommen ganz schön herum in diesen Tagen. Am Mittwoch konnten sie mit Hilfe von RTL auf Ibiza "Teenies auf Partyurlaub" beobachten, am Donnerstag hieß es auf Pro Sieben "We love Lloret". Wer das gesehen hat, kann nur sagen: Kinders, bleibt zu Hause. War ohnehin wenig Sonne am ersten Tag.

Anders als die Tagesschau: die RTL2 News

Der Begriff objektive Berichterstattung gehört zum Kern des journalistischen Selbstbildes. Aber er ist eine Illusion. Denn hinter jeder medialen Bearbeitung von Realität stecken Auswahlprozesse und subjektive Kriterien. Das gilt auch für Nachrichten. Viele Kollegen wollen die Dualität zwischen privat und öffentlich-rechtlich nicht aufgeben: hier die gebührenfinanzierten Gralshüter aus der Abteilung "seriöse Information" – dort die werbefinanzierten "quotenorientierten Rattenfänger" der Privaten. Diese Polarisierung ist nicht nur falsch - sie verhindert auch wichtige Diskussionen über Rahmenbedingungen redaktioneller Arbeit und verschleiert die Notwendigkeit, die Privaten in ihren journalistischen Bemühungen medienpolitisch aktiv zu unterstützen.

Shitstorm über dem Kommentatoren-Platz

Wenn etwa 30 Millionen TV-Zuschauer ein Fußballspiel ansehen, hat der Kommentator einen schweren Stand. Zumal sich die Fans nicht mehr an dem Bundestrainer abarbeiten können. Jogi Löw ist – ähnlich wie Vorgänger Jürgen Klinsmann – über alle Zuschauer-Kritik erhaben. Also müssen die Männer am Mikrophon herhalten. Béla Réthy und vor allem Steffen Simon sind die Feindbilder. Zu Recht?

TV-Unterhaltung: The Next Big Thing?

„What’s the next big thing?“  Wo ist das neue Super-Format, der nächste Trend, das Riesen-Geschäft im Unterhaltungs-Business? Dass ausgerechnet die Film- und Medienstiftung NRW sich dieser Frage widmet, ist auf den ersten Blick etwas verwunderlich. Aber die Stiftung stellt – zusammen mit der Landesregierung NRW – künftig 500.000 Euro jährlich für Programm-Ideen bereit. Und sie hat zum Medienforum NRW in Köln Gary Carter eingeladen, den Chief Operating Officer von FremantleMedia in London. Und den sollte man einmal erlebt haben.

Redaktions-Alltag: Wege aus der Frust-Falle

Es ist ein kleines Kunststück, als Journalist nicht zynisch zu werden. Oder zu ermüden aufgrund immer wiederkehrender Themen. Viele Kollegen, die seit etlichen Jahren im Geschäft sind, haben damit so ihre Schwierigkeiten. Mit ganz einfachen Tricks können die Chefs ihren Mitarbeitern dabei helfen, kreativ zu bleiben.

Gratis? Gerne! Die Piraten und das Urheberrecht

Das Urheberrecht muss geändert und an die neuen Bedingungen des digitalen Zeitalters angepasst werden. Da besteht zwischen den Beteiligten inzwischen weitgehend Einigkeit. Doch wie das genau passieren soll, darüber gingen auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche am Wochenende in Hamburg die Ansichten ziemlich auseinander. Dafür sorgte auch der Urheberrechtsexperte der Piratenpartei.

Nach Piels Wiederwahl: Was der WDR jetzt braucht

Die WDR-Intendantin Monika Piel hatte in den vergangenen Wochen wahrlich keine gute Presse: der Gottschalk-Misserfolg im ERSTEN, das Reform-Debakel bei der Hörfunkwelle WDR3. Dass die Senderchefin ihr Amt jetzt bis zum Jahr 2019 behalten darf und bei der Wiederwahl im Rundfunkrat ohne Gegenkandidat blieb, hat manche Beobachter überrascht. Das zeugt nicht von überaus profunder Kenntnis des Sendergeschäfts. Die Journalistin Piel hat nun Gelegenheit, ihre Kritiker zu überraschen. Was der WDR jetzt braucht?

Talkshow-Rückblick: Sarrazin im Euro-Wahn

Eine Woche mit Thilo Sarrazin. Am Donnerstag stern, am Sonntag die ARD, am Montag Focus und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, am Dienstag BILD und eine Buchvorstellung im Luxushotel Adlon. Bei Günther Jauch im Ersten stritt der Populär-Autor und Ex-Bundesbankvorstand mit Ex-Finanzminister Steinbrück. Argumente, warum Europa am Euro zugrunde geht oder weshalb man sein Buch lesen sollte, lieferte er nicht.

Diagnose Burn-out: Wie Resilienz-Training hilft

Ausgebrannt, erschöpft, arbeitsunfähig:
Burn-out ist inzwischen ein alltägliches Phänomen in Unternehmen. Auch in vielen Redaktionen suchen Verantwortliche nach Lösungen, Burn-out zu verhindern.

Der Begriff Resilienz ist dabei von entscheidender Bedeutung. Resilienz kann helfen, dass Kreative in grauem Umfeld den Blick für die Farbe nicht verlieren.

Verbotene Liebe - Ein Magazin über Fernsehen

Das kommt ziemlich selten vor: Zeitungsjournalisten gehen liebevoll mit dem Medium Fernsehen um. Dem Magazin der Süddeutschen Zeitung ist dies in dieser Woche gelungen. Verbotene Liebe ist der Titel des wundervollen Heftes, das unbedingt seine Leser finden sollte. Nicht nur, weil sich Amelie Fried, Sandra Maischberger, Günther Jauch  und Giovanni di Lorenzo zu einem Gipfeltreffen der Macher von "Live aus dem Alabama" wiedertreffen.

Auch nicht nur, weil Künstler und Intellektuelle über ihre TV-Gewohnheiten sprechen und sich zum Beispiel der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz ("Ich schaue am liebsten Tierfilme") standesgemäß empören kann: "Über den Rest bis ich ehrlich gesagt schaurig empört. Das Programm ist zu einer Schunkelveranstaltung verkommen: Quizshows, Volksmusik, Talkrunden ohne Ende - alles grauenvoll."

Aus dem Hörsaal in die Redaktion

"Was willst Du nach dem Studium machen?" "Irgendetwas mit Medien." So lautete früher der Spruch unter Geisteswissenschaftlern, wenn sie nach ihren Plänen für die Zeit nach der Uni gefragt wurden. Inzwischen hat sich an den Hochschulen einiges geändert.

Alles neu auf dieser Homepage!

Hey, alles glänzt, so schön neu. Hey, wenns dir nicht gefällt, mach neu. Peter Fox.

Das ist die neue Internetseite von LANGER+LEUTE. Zum Mitlesen und Mitmachen. Wir schreiben über Medien, die Menschen und unsere Methoden. Mit Meinung. Wir? Ein Beraterteam für Kreative. Für Journalisten, Produzenten, Redakteure, Manager. Und für alle anderen, die jeden Tag ein Stück über sich hinauswachsen wollen. Gemeinsam mit anderen.

Danke an Bernd Eder für die digitalen Wand- und Deckenfarben. Danke an Sarah Ehrlenbruch für die Schönsten der schönen Fotos. Was sonst alles neu ist?

Müdes Gähnen: TV-Branche sucht Show-Trend

Das ist kein schlechter Termin für die Chefs und Chefeinkäufer der Fernsehsender: die Frühjahrsausgabe der MIPTV in dieser Woche in Cannes. Hoffentlich kommen sie mit guten Ideen zurück. Denn die Show-Branche sucht den nächsten Trend. Oder wenigstens eine Idee.

"Gottschalk Live" - und nun? Privatisiert DAS ERSTE!

"Wohin mit Opa?" So der Spott im Internet über Thomas Gottschalk. "Dieser alte Mann da", sagen jüngere Menschen, wenn sie auf den Moderator angesprochen werden. Der sitzt seit gestern in einer Talk-Kulisse, die entfernt an die von Sandra Maischberger erinnert. Von seinem sogenannten "Wohnzimmer" hat nur der Tisch überlebt. Vielleicht fliegt der auch noch.

Aktives Zuhören für Journalisten

Wenn Politiker nicht antworten und Journalisten nicht zuhören, heißt das Interview. Manchmal heißt es Talk-Show. Die Fragesteller sind oft nicht bei der Sache, sondern bei sich und ihren Notizen. Oder ihren Moderationskarten. Sie überhören, welche Chancen ihnen das Gespräch bietet. Manchmal schauen sie ihren Gesprächspartner nicht einmal an, wenn dieser antwortet. Dabei könnte es so einfach sein.

Freiraum im Job: Wir nehmen uns für Sie Zeit

„Das bleibt doch unter uns, oder?“ „Das musste jetzt 'mal raus.“ Oder aber: „Der Chef hat ja doch nie Zeit.“

Kennen Sie das? Einmal mit Kollegen oder Vorgesetzten ganz offen über den Job reden, das wäre gut. Der Druck wäre weg und nebenbei vielleicht auch die Unsicherheit, wie es nun im gerade anstehenden Projekt weitergehen kann.

Kritik kann man üben

Journalisten und andere Kreative können ziemliche Weicheier sein. Sie teilen gerne aus, im Einstecken aber sind sie nicht besonders talentiert. Künstler. Mimosen. Selbstverliebt und verletzlich. Weicheier eben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Berater des Präsidenten

Bevor Bundespräsident Christian Wulff am vergangenen Mittwoch zu seinem Interview ins ARD-Hauptstadtstudio fuhr, hatte er Besuch im Schloss Bellevue. Peter Hintze, CDU-Politiker und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, suchte Wulff auf. Ein aufmerksamer Photograph der Nachrichtenagentur dapd hat die Szene eingefangen: Zwei Männer schütteln sich hinter einer Fensterscheibe des Schlosses die Hände.