Zuviel Klüngel im WDR

Ich bin ein Kind der von den öffentlich-rechtlichen Sendern dominierten Fernsehkultur. Lange habe ich an deren Philosophie einer über Gremien organisierten und durch Gebühren finanzierten "Neutralität" geglaubt. Als vor gut dreißig Jahren die privaten Sender dazu kamen, landeten die – durch eigenes Verschulden und unter Mithilfe einer geschickt orchestrierten Lobby der Öffentlich-Rechtlichen – schnell in der Schmuddelecke: Hier die moralisch überlegenen, weil angeblich dem Gemeinwohl verpflichteten Helden von ARD und ZDF – dort die lauten Pornoferkel der Privaten.

Die Mehrheit der Deutschen, an Abzocke durch eine mächtige Bürokratie gewöhnt, hinterfragte nie die Existenzberechtigung solcher Sendermonster wie den WDR in Köln, den NDR in Hamburg oder gar die leidenschaftlich der Eigenbrötlerei huldigenden Bayern mit ihrem BR.

Das ändert sich nun durch die seit Januar gültigen neuen Gebühren, die so manchen Zuschauer an dem Rundfunk-System zweifeln lassen. Einen Anlass, die Zweifel weiter zu vertiefen, bringt die anstehende Kür eines Intendanten – oder wieder einer Intendantin - des WDR. Die kostspielige – und rein persönlich begründete - Flucht Monika Piels aus ihrer gerade erst begonnenen zweiten Amtszeit wird den Sender viel Geld kosten. Auch hätte man gern gewusst, wie er die Pensionsansprüche der Dame regelt, schließlich verdient sie mehr als die Bundeskanzlerin, was man in Deutschland achselzuckend abwinkt. Hier regt man sich lieber auf über die bösen Banker.

Sender als Immobilienbesitzer

Wer erkennt eigentlich, dass die Öffentlich-Rechtlichen sich mit über 1000 kleinen Tricks das teuerste Sendersystem der Welt geschaffen haben und ihre – unkündbaren - Mitarbeiter mit Bombengehältern und dicken Pensionen zu gehorsamen Werkzeugen eines verfilzten Quasi-Monopols degradieren? Und erst das verschachtelte und so undurchsichtig gemachte Beteiligungs- und Gebäudemanagement: Wer weiß schon, dass der WDR - neben der katholischen Kirche - der reichste Immobilienbesitzer der Kölner Innenstadt ist? Und warum jetzt die Verschleierungstaktik um das an Einschaltquoten gebundene Zusatzhonorar der Talkshow-Queen Maischberger? Der WDR bezahlt die Produktionsfirma Vincent TV - Geschäftsführerin Maischberger – und garantiert dieser außerdem ein zuschauergebundenes Honorar: Das ist Klüngel auf hohem Niveau. Dieser diskreditiert das ganze System. Schade, Frau Piel.

Die Autorin Hildegard Stausberg ist diplomatische Korrespondentin der Tageszeitung  "Die Welt" und Vorsitzende des Kölner Presseclubs. Hier ihr Text in der am 18. März erschienenen Originalfassung.

Der stellvertretende Unternehmenssprecher des Westdeutsche Rundfunks, Birand Bingül, hat dies als "unglaubliche Vorwürfe" zurückgewiesen. Hier seine Entgegnung vom 19. März.