Wer Maybrit Illner künftig fehlt

Vergangene Woche ging er in Rente. Wolfgang Klein, 66, Redaktionsleiter von „Maybrit Illner“. Er ist ein großer Journalist. Mit seiner leichten Art, komplizierte Dinge einfach zu machen, war er schon als ARD-Korrespondent in Brüssel außerordentlich. Klein wusste, wie das geht mit dem Talk.

Er würde sich kaum erinnern, wie ich ihn 1988 kennenlernte, als Hospitant im Kölner Funkhaus am Wallraffplatz. Wolfgang Klein moderierte dort mitunter eine Radio-Sendung im WDR: das Sonntagsmagazin von acht bis zwölf. Später haben sich Schlaumeier den grauenhaften Begriff Infotainment ausgedacht für das, was in der von Georg Bungter, Hans-Otto Engstfeld und Rainer Assion geführten Redaktion gemacht wurde: feinster Journalismus, immer mit einer guten Portion Unterhaltung. Auch ohne Etikett.

Gute Quote, gute Sendung?

Klein hat später erkannt, dass Pro7 nicht wirklich einen Journalisten als Chefredakteur gebrauchen konnte. Und dann, wie Sabine Christiansen trotz aller Kritik dem Politik-Talk in Deutschland den Weg bereiten konnte. Und zuletzt, dass es Maybrit Illner gut tut, wenn eine politische Sendung eine politische Sendung bleibt. Selbst wenn zwischendurch ein Entertainer wie Thomas Gottschalk in der Runde sitzt.

Wolfgang Klein wusste also, wie das geht mit dem Talk. Andere suchen da noch und trösten sich mit der Hoffnung, dass gute Quoten auch gute Sendungen bedeuten könnten. Die Süddeutsche Zeitung hat in diesen Tagen dieses schöne Stück über Wolfgang Klein veröffentlicht, den großen Kollegen mit der großen Erfahrung: "Die Antwort sitzt im Wohnzimmer."