TV-Unterhaltung: The Next Big Thing?

„What’s the next big thing?“  Wo ist das neue Super-Format, der nächste Trend, das Riesen-Geschäft im Unterhaltungs-Business? Dass ausgerechnet die Film- und Medienstiftung NRW sich dieser Frage widmet, ist auf den ersten Blick etwas verwunderlich. Aber die Stiftung stellt – zusammen mit der Landesregierung NRW – künftig 500.000 Euro jährlich für Programm-Ideen bereit. Und sie hat zum Medienforum NRW in Köln Gary Carter eingeladen, den Chief Operating Officer von FremantleMedia in London. Und den sollte man einmal erlebt haben.

Dass Programm-Macher nicht in aller Öffentlichkeit über ihre Ideen reden, ist nicht so ungewöhnlich. Es sei denn, sie wollen diese so verkaufen. Ungewöhnlich aber, wenn einer der führenden Programm-Macher im Entertainment-Business unumwunden sagt: „Ich bin nicht in der Lage, Ihnen auf die Frage nach der nächsten großen Programm-Idee eine zufriedenstellende Antwort. Dieses Mal habe ich nicht einmal eine Theorie.“ Das war fettes Understatement, denn Fremantle-Chef Gary Carter hatte auf dem Filmkongress im Rahmen des Medienforums in Köln zuvor eine Stunde lang messerscharf die Lage der TV-Unterhaltung analysiert und dabei das „Post-Megaformat-Zeitalter“ ausgerufen.  Also: Die Zeiten, in denen „Pop Idol“ oder „Who wants to be a millionaire“ als – wie Carter sagt – „Game Changer“ weltweit den Markt umkrempelten, gehörten der Vergangenheit an.

"Dieses Mal habe ich nicht einmal eine Theorie"

Die in Köln versammelten Kreativen rief Carter dazu auf, die technologischen Möglichkeiten stärker in den Blick zu nehmen. So wie sich das Web 1.0 zum Web 2.0 weiterentwickelt habe, so würden sich auch die vorhandenen Unterhaltungsformate ständig weiterentwickeln. Ein Trend, den aus deutscher Sicht Grundy-Light-Chefin Ute Biernat bestätigte: Bei „Deutschland sucht den Superstar“, mittlerweile in der Vorbereitung der zehnten Staffel, habe bislang jede Ausgabe anders ausgesehen als die vorherige. Natürlich sei der Abnutzungsprozess angesichts der stärkeren Konkurrenz nicht von der Hand zu weisen. Am Ende entscheiden die Zuschauer, so Biernat.

Ihr Londoner Kollege Carter hatte der Branche („Allerdings würde ich nicht im Traum daran denken, einen Sender zu kritisieren“) auch kritische Anmerkungen mitzugeben. „Wir haben es inzwischen gelernt, uns zu sehr auf die Risiken zu konzentrieren“, sagte der Fremantle-Mann. Dabei sei es doch die Idee an sich, die faszinieren müsse. Ob die unbedingt aus Deutschland kommen werde, daran äußerte der glatzköpfige TV-Manager nebenbei seine Zweifel. Die Zuhörer in Köln haben es ihm nicht übelgenommen.

500.000 Euro im Jahr für Ideen aus NRW

Vielleicht hilft es da, dass sich die Film- und Medienstiftung NRW GmbH auf die Bedeutung der TV-Unterhaltung in Nordrhein-Westfalen besonnen hat. Deren Geschäftsführerin Petra Müller  (Foto) kündigte in Köln an, dass es im Rahmen eines Pilotprogramms zur Entwicklung innovativer Entertainment-Formate künftig einen Topf von 500.000 Euro jährlich geben werde. „Das Pilotförderprogramm richtet sich an Produzenten und junge Entwickler in NRW“, so Müller. Wer das Geld bekommt, werde jeweils im Herbst auf einer Fördersitzung eines noch zu besetzenden Fachbeirats entschieden.

Für Christian Franckenstein, Vorstand der Allianz Deutscher Produzenten und Chef der MME Moviement AG, wurde Petra Müller damit zu einer Art „guten Fee“. Vielleicht kann die Fee ja dabei helfen, dass der nächste Unterhaltungs-Knüller doch aus Deutschland kommt. Wünschen kann man es sich ja einmal.