"Trust me, I'm a spin doctor"

Litigation-PR – schon einmal gehört? Wer sich an den Kachelmann-Prozess oder auch an die Ermittlungen gegen den früheren Bundespräsidenten Wulff erinnert, der kennt die Bedeutung des Begriffs. Rechtsbegleitende Öffentlichkeitsarbeit oder auch: Pressearbeit während eines Gerichtsverfahrens. So kann man Litigation-PR übersetzen. Dazu hat eine der schillernden Figuren der deutschen PR-Szene, Klaus Kocks, ein lesenswertes Büchlein herausgegeben. Es handelt auch davon, wie man heute per Kommunikation Ansehen erwirbt.

Klaus Kocks, gerne gesehen in Talkshows aller Art. Vor jungen Kollegen oder Nachwuchs-Journalisten kann er schon einmal kräftig-deftig aus dem Nähkästchen plaudern. Demzufolge soll in der goldenen bundesrepublikanischen Industrie-Vergangenheit die Journalistenbetreuung  gelegentlich nicht beim Nachtisch aufgehört haben. Eine solch komplizierte Formulierung würde Kocks weit von sich weisen und schlicht vom Puffbesuch sprechen. Alles schon gehört. Bestimmt nur Einzelfälle.

Kocks kann sehr unterhaltend sein, aber der Professor und ehemalige VW-Kommunikationsvorstand versteht vor allem sein Geschäft.

Zusammen mit Kollegen und Juristen hat Kocks ein kleines Buch vorgelegt, aus dem man auch als Nicht-Jurist eine Menge über Öffentlichkeitsarbeit lernen kann. „Anwälte zwischen Achtung und Ächtung“, heißt der Band. Es geht um die schon erwähnte Litigation-PR und die Frage, wie sich etwa Rechtsanwälte um den eigenen Ruf sorgen.

Image, Reputation, Anerkennung – bei den meisten PR-Aufträgen spielen diese Faktoren eine Rolle. Wie Reputation entsteht, welche Rolle Netzwerke dabei spielen und dass auch Online-Kommunikation nicht zu unterschätzen ist, kann man in dem Kocks-Band ebenfalls nachlesen. Apropos Online: Die Autoren des Buchs unterscheiden bei Internet-Auftritten zwischen „Typus 1: Die informative Webseite“, „Typus 2: Die redundante und/oder fehlerhafte Webseite“ und „Typus 3: Die reputierliche Webseite“. 

Die Selbstwahrnehmung in der Urheber muss dabei nicht zwingend mit der Wahrnehmung von Lesern übereinstimmen. Selbstredend, dass bei der Suche nach Reputation im World Wide Web auch PR- oder Online-Beratung helfen kann. Und sei es nach dem Motto des britischen PR-Nestors Lord Timothy Bell, das Kocks in seinem Buch zitiert: „You can trust me, I’m a spin doctor not a bloody lawyer.“

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Kocks, Klaus (Hrsg.): Anwälte zwischen Achtung und Ächtung. Reputationsmanagement und Litigation PR als Herausforderungen für Juristen. Vox Pop Edition, Bristol 2013.