Shitstorm über dem Kommentatoren-Platz

Wenn etwa 30 Millionen TV-Zuschauer ein Fußballspiel ansehen, hat der Kommentator einen schweren Stand. Zumal sich die Fans nicht mehr an dem Bundestrainer abarbeiten können. Jogi Löw ist – ähnlich wie Vorgänger Jürgen Klinsmann – über alle Zuschauer-Kritik erhaben. Also müssen die Männer am Mikrophon herhalten. Béla Réthy und vor allem Steffen Simon sind die Feindbilder. Zu Recht?

Anfang der Woche gab der Pay-TV-Sender Sky bekannt, dass der Fußball-Kommentator Wolff-Christoph Fuss nach seinem Ausflug zum (Noch-) Champions-League-Sender Sat.1. zurück ins Sky-Team von Sportchef Burkhard Weber kehrt. Das ist für die Zuschauer von ARD und ZDF tendenziell eine schlechte Nachricht. Sky-Mann Marcel Reif hören sie nur noch in irgendwelchen Quiz-Sendungen, schon lange aber nicht mehr in kompetenter Rolle als Fußball-Kommentator. Mit Fuss ist nun allmählich ein neuer Mann für die großen Aufgaben auf diesem Feld herangewachsen. Man darf davon ausgehen, dass sich ARD und ZDF um die Spitzenkraft nicht einmal bemüht haben.

Denn für die ARD bestimmt Sportschau-Chef Steffen Simon das Geschehen. Der Nachfolger von Heribert Faßbender schafft es immer wieder, am Spiel unlustig vorbei zu kommentieren. Das Viertelfinale zwischen Italien und Frankreich – ein ziemlich großer Fußballabend, nur nicht nach den Worten von Simon, der nicht einmal bemerkte, wie die britischen Fans ihre Mannschaft in der Verlängerung unterstützten. Was daheim am Fernsehgerät gut zu hören war. Im Internet braute sich unterdessen erneut ein Shitstorm über Simon zusammen.

Warum bleibt Simon nicht auf der Ersatzbank?

Nun hätte die ARD mit Tom Bartels eine gute Alternative. Oder - großer Tabubruch - mit Sabine Töpperwien. Daran ist kein Gedanke. Das Halbfinale Italien gegen Deutschland kommentiert: Steffen Simon.

Die UEFA hat nach der Vorrunde einige Schiedsrichter aus dem Aufgebot genommen, deren Leistung nicht überzeugend war. Bundestrainer Löw lässt Gomez und Müller auf der Bank, wenn er bessere Möglichkeiten hat. Das Erste aber lässt alle besseren Möglichkeiten ungenutzt verstreichen. Sollen sich die Zuschauer doch aufregen.

Und das ZDF? Überträgt das Endspiel. Im Halbfinale Portugal-Spanien wurde als Kommentator Oliver Schmidt aufgestellt, vielleicht um den Spitzenmann des Senders, Béla Réthy, für das Endspiel zu schonen. Bei allem Respekt für dessen sportjournalistische Kompetenz: Champions-League-Sieger dürfte (oder sollte) das ZDF mit dieser braven Aufstellung nicht werden. Zumal auch über Réthy im Netz längst dunkle Wolken aufziehen.