Redaktions-Alltag: Wege aus der Frust-Falle

Es ist ein kleines Kunststück, als Journalist nicht zynisch zu werden. Oder zu ermüden aufgrund immer wiederkehrender Themen. Viele Kolleginnen und Kollegen, die seit etlichen Jahren im Geschäft sind, haben damit so ihre Schwierigkeiten. Mit ganz einfachen Tricks können die Chefs ihren Mitarbeitern dabei helfen, kreativ zu bleiben.

Peter Panter, besser bekannt als Kurt Tucholsky, schrieb 1932 in der Weltbühne über die Journalisten als  Zyniker einige verständnisvolle Sätze:

"Sie scheinen ihren Beruf nicht ernst zu nehmen. Sie hauen ihren Umbruch hin; sie streichen und sie schmieren, und was sie zu vermelden haben, ist ihnen, wie unser Feldwebel zu sagen pflegte, reißpipeneengal. Ja, sollen denn Redakteure eine Zeitung wie einen Gottesdienst zelebrieren? Sind wir nicht, wenn wir klug sind, im Beruf allesamt Zyniker? Kann man einen Alltagsberuf, der in den meisten Fällen keine Berufung ist, anders ausüben als: aus dem Handgelenk, mit der Zigarette im Mundwinkel, routiniert, halb gleichgültig, halb interessiert . . . ist das nicht überall so? Es ist überall so."

Nein, es ist nicht überall so. Inzwischen hat sich auch unter den abgebrühtesten Leitwölfen im Journalismus herumgesprochen, dass sie besser daran tun, sich den Zynismus vom Leib zu halten. Und dafür zu sorgen, dass ihre Redaktion motiviert bleibt und nicht müde wird. Wie das gehen kann? Auch nach Jahren noch?

Die amerikanischen Management-Professorinnen Gretchen Spreitzer und Christine Porath haben jüngst in der deutschen Ausgabe der Harvard Business Review die Quintessenz ihrer Forschungen zu diesem Thema auf vier simple Ratschläge für Führungskräfte gebracht: Schaffen Sie Entscheidungsspielräume! Teilen Sie Informationen! Seien Sie höflich! Geben Sie Feedback!

Zu einfach, um wahr zu sein? Die Studien beruhen auf Befragungen von mehr als 1.200 Arbeiter und Angestellten aus verschiedenen Branchen. Spreitzer und Porath sind davon überzeugt: Wer die Lebensfreude am Arbeitsplatz fördert und den Team-Mitgliedern die Chance gibt, sich lernend weiterzuentwickeln, der hat am Ende Mitarbeiter, deren Energie ansteckend ist. Den deutschen Artikel der beiden Arbeitsforscherinnen finden Sie hier im Archiv von Harvard Business Manager.

Wer neu im Job ist, der ist auch motiviert. Dass journalistische Arbeit mit Leidenschaft und Selbstausbeutung gleichermaßen einhergeht, merken die Kolleginnen und Kollegen oft erst mit den Jahren. Ihnen kann dabei geholfen werden, nicht in die Frust-Falle zu tappen. Vor der übrigens selbst großartige Edelfedern nicht sicher waren. Herbert Riehl-Heise, früherer Chefreporter der Süddeutschen Zeitung, schrieb einmal über den eigenen Berufsstand:

"Wenn ein deutscher Journalist einmal eine Sehnsucht hat nach dem wirklich sicheren Beifall seines Publikums, dann erklärt er am besten den Leuten, wie verkommen sein Berufsstand ist, wenigstens in weiten Teilen. Na ja, sagen dann die Leser und Zuschauer, wenigstens sieht er es selber ein."

Das Buch, aus dem diese Zeilen stammen, trägt den Titel "Bestellte Wahrheiten". Herbert Riehl-Heise wusste, dass es so etwas auch im Journalismus gibt. Er hat sich, dessen ungeachtet und trotz aller Neigung zum kritischen Blick auf den eigenen Berufsstand, die Liebe zum Schreiben über die Welt bewahrt. Wer von ihm lernen durfte, weiß darum, wie wichtig es ist, eben nicht zynisch oder müde zu werden.