Nach Piels Wiederwahl: Was der WDR jetzt braucht

Die WDR-Intendantin Monika Piel hatte in den vergangenen Wochen wahrlich keine gute Presse: der Gottschalk-Misserfolg im ERSTEN, das Reform-Debakel bei der Hörfunkwelle WDR3. Dass die Senderchefin ihr Amt jetzt bis zum Jahr 2019 behalten darf und bei der Wiederwahl im Rundfunkrat ohne Gegenkandidat blieb, hat manche Beobachter überrascht. Das zeugt nicht von überaus profunder Kenntnis des Sendergeschäfts. Die Journalistin Piel hat nun Gelegenheit, ihre Kritiker zu überraschen. Was der WDR jetzt braucht?

In Köln haben inzwischen zwei mächtige Senderchefinnen einen ganz guten Blick auf den Dom: die am Mittwoch (30. Mai 2012) wiedergewählte WDR-Intendantin Monika Piel und die Chefin der Mediengruppe RTL, Anke Schäferkordt. Die beiden doch sehr unterschiedlichen Frauen – Piel ist Journalistin, Schäferkordt Betriebswirtin – sitzen immer wieder gemeinsam in Diskussionsrunden, um ihre unterschiedlichen und unvereinbaren Standpunkte im dualen Mediensystem auszutauschen. Dabei könnten beide Spitzenfrauen eine Menge vom Weg der Kollegin lernen.

Und die Parteien? Die Rolle von Ruth Hieronymi

Monika Piel hat nun das Vertrauen ihres Rundfunkrates bis zum Jahr 2019. Das war nicht immer klar, denn der WDR-Chefin und der Vorsitzenden des Rundfunkrates, der CDU-Politikerin Ruth Hieronymi, wurde in der Vergangenheit ein Verhältnis nachgesagt, das in seiner Herzlichkeit der Freundschaft der Bundesministerinnen von der Leyen und Schröder wenig nachsteht. Vor dem Hintergrund – und angesichts der politischen Machtverhältnisse im WDR-Land Nordrhein-Westfalen – darf man annehmen, dass einer konservativen Rundfunkratschefin eine nicht allzu mächtige Persönlichkeit im Management, nun, sagen wir einmal, nicht ganz unlieb ist. 34 von 43 Rundfunkratsmitglieder waren für Piel.

Doch zurück zum Vergleich mit Anke Schäferkordt. Als die RTL-Managerin Zug um Zug die Gesamtverantwortung im Konzern übernahm, war es ihr Vorgänger Gerhard Zeiler, der Anke Schäferkordt zunächst als Chief Operating Officer (COO) auf die Brücke holte und sich so immer mehr aus dem Geschäft zurückziehen konnte. Dieses Beispiel sollte bereits jetzt im WDR Schule machen.

Die verdiente Hörfunk-Journalistin Monika Piel ist 61. Die Aufgaben, die vor ihr stehen, sind enorm. In Zeiten knapper Kassen muss sie das Haus schlanker machen und trotzdem im digitalen Gezerre mithalten. Die Entscheidungsstrukturen innerhalb der ARD-Anstalten und im Senderverbund sind, wenn man sie mit Google, Youtube und Co. vergleicht, nicht mehr konkurrenzfähig. Wer mit Mitgliedern aus dem Direktorium von Frau Piel über Programmideen spricht, bekommt dort gelegentlich zu hören: Das machen die Fachbereiche. Die Fachbereiche wissen das und pflegen ihre Erbhöfe oder die interne Konkurrenz. Der WDR wurde so zum trägen Titelverteidiger. Nun muss er wieder angreifen. 

Im Ernst: Von Schäferkordt lernen

Monika Piel braucht eine Programm-Managerin oder einen Manager, einen COO, einen Vordenker mit Format und Zugang zur Macht. Piels SWR-Kollege Peter Boudgoust hat es gerade mit dem Vorschlag, den verdienten Arte-Programmchef Christoph Hauser zum neuen Fernsehdirektor zu wählen, vorgemacht. So etwas braucht der Westdeutsche Rundfunk auch und hat es weit und breit nicht.

Monika Piel benötigt außerdem ein überzeugendes Konzept für die Hörfunkwellen, die einmal ihr Stammgeschäft waren. Was wird aus dem Desaster bei WDR 3? Wie kann 1Live seine Position halten? Wie findet WDR 2 wieder mehr Profil? Lauter unbeantwortete Fragen.

Die ARD-Talkshows? Ein eher kleines Problem

Und die größte Baustelle ist das Digitale. Man kann nicht gerade sagen, dass der Kleinkrieg mit den Verlegern um die Tagesschau-App oder die Neuordnung von www.wdr.de bislang große Würfe gewesen wären. Das verwundert nicht, kam es für die Frau an der Spitze des Kölner Senders doch gerade in dieser Zeit darauf an, ihre eigene Position zu sichern. Das ist ihr nun gelungen, so dass Monika Piel nun anders agieren kann und sollte. 

Das Gekungel um die austauschbaren Talk-Show-Moderatoren Plasberg/Maischberger (WDR) und Jauch/Will/Beckmann (NDR) ist da übrigens ein vergleichsweise kleines Problem. Hier sollte sich ohnehin einmal jemand anderes ein Herz fassen, dessen Schreibtisch nicht in Köln, sondern in München steht. Sein Job: Programmdirektor Das Erste. Der Mann heißt Volker Herres.