Müdes Gähnen: TV-Branche sucht Show-Trend

Das ist kein schlechter Termin für die Chefs und Chefeinkäufer der Fernsehsender: die Frühjahrsausgabe der MIPTV in dieser Woche in Cannes. Hoffentlich kommen sie mit guten Ideen zurück. Denn die Show-Branche sucht den nächsten Trend. Oder wenigstens eine Idee.

Als auf dem "Großen Show-Gipfel" in den Brainpool-Studios in Köln am vergangenen Freitag über "Trends und Tendenzen der Fernsehunterhaltung" diskutiert wurde, war die Ratlosigkeit der Branche mit Händen zu greifen. Zwar wurden drei international erfolgreiche Formate vorgestellt: "Red or Black?" Eine Mega-Show auf ITV, bei der es – Geld zu gewinnen gibt. "Take the Money and Run!" Eine Mega-Produktion auf ABC, bei der es – Geld zu gewinnen gibt. Oder: "The Voice of…" Die bereits auf ProSiebenSat.1 erprobte Superstar-Adaption von John de Mol. Geld gibt es hier nicht zu gewinnen, jedenfalls nicht für die Teilnehmer.

Vorherrschender Eindruck bei den Programm-Machern: alles schon 'mal gehört. Auch wenn zum Beispiel "Red or Black?" den Verantwortlichen von ITV feine Quoten bescherte, macht es doch nachdenklich, wenn die Entwickler dieser Sendungen ihre Entwicklungen vor allem daran messen, welche Einschaltquoten sie gebracht und in wie viele Länder sie verkauft wurden.

Kreativität bedeutet - laut Duden - schöpferische Kraft. Synonym kann man einsetzen: Einfallsreichstum, Erfindungsgabe, Fantasie, Genie oder (wenn es dazu nicht reicht) Intelligenz. Davon war auf dem großen Show-Gipfel wenig zu hören, bei allem Respekt. Ob Cannes mehr hergibt? Hoffentlich bringen die Frankreich-Reisenden den Zuschauern etwas mit. Sonst hätte Joachim Huber doch recht, der im TAGESSPIEGEL meint: "Gähnen ist kein Programm". http://www.tagesspiegel.de/meinung/fernsehen-in-der-krise-gaehnen-ist-kein-programm/6460902.html