Krokodilstränen - Zum Ende der "FTD"

Über das Ende der Financial Times Deutschland ist ziemlich viel Blabla geschrieben worden. Das Blatt war keineswegs so innovativ und frisch, wie seine Macher am Ende vorgaben. Wer hat es eigentlich gelesen, wenn es nicht gerade kostenlos am Flughafen lag? Ein namhafter Leitartikler, der es mit der SZ oder der FAZ hätte aufnehmen können, ist aus der Redaktion nicht hervorgegangen.

Dass die Kollegen in Hamburg nun ihre Arbeitsplätze verlieren, ist bitter, keine Frage. Allerdings geht es Journalisten da nicht anders als - zum Beispiel - den Bergleuten in Bochum oder den Monteuren eines überflüssigen Opelwerks. Der Journalismus geht darüber nicht vor die Hunde. Wir müssen aber unsere Hausaufgaben machen. Sieben Thesen dazu:

Verlasst Euch nicht auf die Verleger! Für die Edelfeder-Versammlung in der Hansestadt, sicherlich gut bezahlte Journalisten, hat das Heulen und Zähneklappern gerade erst begonnen. Die FTD ist nicht die einzige Redaktion, die das angeht. Wer es nicht schafft, mit seinen Geschichten zu überzeugen, der überzeugt bald auch seinen Verlagsleiter oder Geschäftsführer nicht mehr. Es ist leider ein Irrtum, dass gut ausgestattete Redaktionen automatisch fabelhafte Arbeit machen.

Journalismus ist nicht nur für Journalisten da! Man muss nicht gleich die BILD-Zeitung oder RTL aktuell als Maßstab nehmen, um von den Schreibern eine Neuausrichtung zu fordern. Einiges von dem, was sich heute für Qualitätsjournalismus hält, ist eine Qual für viele Leser, Hörer und Zuschauer. Das liegt an der Sprache, an den Themen und an der Orientierung mancher Wichtigheimer in den Chefetagen. Ein Produkt wie die FTD war am Zeitungskiosk längst nicht mehr von Belang. Schade um die Idee, mehr nicht. 

Journalismus ist nicht für Politiker da! Manche Zeitungen haben damit begonnen, den Nachrichtenanteil in ihren ersten Büchern deutlich zu verringern zugunsten meinungsfreudiger Analyse. Das ist der richtige Weg. Denn der Nachrichtenjournalismus steckt mit seiner - vermeintlichen - Neutralität mitten drin in der Krise. Zwei Drittel der Meldungen einer durchschnittlichen Tagesschau-Sendung zu Beispiel sind klassische Verlautbarungen. Eine Einordnung, eine kritische Wertung und damit ein Beitrag zur Meinungsbildung finden nicht statt. Das ist die Chance für Print. 

Lernt zu verzichten! In den fetten Jahren, die hinter uns liegen, entstanden in vielen Redaktionen Strukturen, die nicht mehr zeitgemäß sind. Das Gegenteil davon ist zum Beispiel  n-tv. Natürlich ist der Sender auch in die schwarzen Zahlen gespart worden. Und über die Frage, was eigentlich ein Nachrichtensender ist, kann man trefflich streiten. Aber nur so wird es für die Geldgeber möglich, auch wieder an ein Produkt zu glauben und zu investieren. Arbeitsplätze werden weniger, aber sicherer.

Lernt zu kämpfen! In Artikel 5 des Grundgesetzes steht: „Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Was da nicht steht: Jede Art von journalistischer Arbeit steht unter Bestandsschutz.

Kümmert Euch um den Nachwuchs! Sorgt dafür, dass jungen Kolleginnen und Kollegen trotz schlechterer Bezahlung nicht die Leidenschaft für den Journalistenberuf vergeht. Und sorgt dafür, dass jungen Leserinnen und Lesern angesichts der Langeweile mancher Medien nicht das Interesse insgesamt vergeht.

Glaubt an Euren Beruf! Nie waren gute Journalisten wichtiger als in Zeiten der Krise. Wir werden weniger werden. Aber wir werden stärker aus der Krise hervorgehen. Und dann kann Journalismus wieder mehr sein als ein Beruf, in dem man irgend etwas mit Medien machte und ganz gut verdienen konnte.