Kritik kann man üben

Journalisten und andere Kreative können ziemliche Weicheier sein. Sie teilen gerne aus, im Einstecken aber sind sie nicht besonders talentiert. Künstler. Mimosen. Selbstverliebt und verletzlich. Weicheier eben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Kennen Sie die sogenannte Freeze-Reaktion? Nein, nicht das Freeze im Bild. Die Freeze-REAKTION. Heiko Ernst hat sie jüngst sehr fundiert in PSYCHOLOGIE HEUTE beschrieben: „Der Körper erstarrt äußerlich, gleichzeitig wird innerlich das Stresssystem hochgefahren. Man steht sozusagen gleichzeitig auf Gas und Bremse. Dieses Reaktionsmuster hat nicht nur negative körperliche Folgen, es kann am Ende sogar in eine ausgewachsene soziale Phobie münden: in eine permanente Vorwegnahme von Kritik, von sozialer Ablehnung oder Ausgrenzung.“

Beim Freeze stehen Sie da und sind völlig unbeweglich. Auch im Kopf. Sage bitte niemand, er habe das noch nicht erlebt. Toller Text, brillanter Film, Hammer-Sendung – nur dieser Kritiker / Kollege / Chef hat keinen Blick für meine Genialität… Wenn Sie manchmal so denken: Vergessen Sie das. Befassen Sie sich mit Strategien, wie Sie Kritik nutzen und gelassener ertragen können.

In guten Redaktionen herrscht das zum Beispiel das einfache Vier-Augen-Prinzip. Nie im Journalismus können Sie mehr lernen, als wenn Sie verstehen: Was meint der Kollege (oder Chef), wenn seine Kritik wertschätzend und konstruktiv formuliert ist? Und sollte sie das (einmal) nicht sein, können Sie auch daran wachsen. Indem Sie nämlich sich, Ihren Text, Ihren Film oder Ihre Sendung dennoch hinterfragen. Um danach mit mehr Überzeugungskraft für Ihre Arbeit einstehen zu können.

Kritik: Nehmen Sie sie an, aber nehmen Sie es nie persönlich. Kann man üben - übrigens als Kritiker gleichermaßen. Gerne auch mit uns.

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