"Gottschalk Live" - und nun? Privatisiert DAS ERSTE!

"Wohin mit Opa?" So der Spott im Internet über Thomas Gottschalk. "Dieser alte Mann da", sagen jüngere Menschen, wenn sie auf den Moderator angesprochen werden. Der sitzt seit gestern in einer Talk-Kulisse, die entfernt an die von Sandra Maischberger erinnert. Von seinem sogenannten "Wohnzimmer" hat nur der Tisch überlebt. Vielleicht fliegt der auch noch.

Da saß er nun gestern mit Gregor Gysi und Tim Bendzko mit Publikum in neuer Kulisse. "Natürlich machen wir weiter Show", sagte Gottschalk. Eine Talk-Show. Endlich eine in der ARD, jetzt auch am Vorabend. Da sendet Thomas Gottschalk nun einfach die Late Night, die er im ZDF nicht bekommen hat.

Und die ARD? Die größte Leistung von "Gottschalk Live" könnte darin bestehen, zu dokumentieren, dass der Senderverbund mit der 1 nicht mehr weiter weiß. Nicht, was diesen schwierigen Programmplatz am Vorabend angeht. Und auch nicht darüber hinaus.

Intendanten machen Schaltkonferenzen, der WDR und der NDR pflegen ihre traditionelle Rivalität. Eine Intendantin strebt eine weitere Amtszeit an, eine Produktionsfirma kämpft um den Auftrag. Und ein Moderator um seine Hoffnung auf ein Leben nach "Wetten, dass….?" Den Zuschauern, insbesondere den Jungen, ist das alles: egal.

Nicht noch teurere Moderatoren, nicht noch weitere "More of the same"-Formate der Gestalt von "Drei bei Kai"! Die Konsequenz kann nur lauten: Privatisiert DAS ERSTE! Was bei Telekom und Deutscher Post gelang, sollte hier auch funktionieren. Sicher, es dürften einige tausend Jobs wegfallen. Warum hat jede Anstalt eine eigene Honorar- und Lizenzabteilung? Warum hat DAS ERSTE einen Vorabend-Koordinator, der nur den Misserfolg koordiniert? Warum schaut sich niemand an, wie der internationale Markt tickt? Und warum laufen so großartige Sendungen wie "Druckfrisch" mit Denis Scheck nur kurz vor Mitternacht?

Wieder einer dieser Nestbeschmutzer, der die öffentlich-rechtliche Idee verrät, werden nun einige in den Anstalten sagen. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn sich mit ARD und ZDF noch lange zwei überfressene Dinosaurier gegenseitig belauern, wird die ganze Gattung aussterben. Das hat man in Mainz deutlich früher erkannt als in Köln, Hamburg, München.

Also: Privatisiert DAS ERSTE! Los jetzt, "Gremlins", traut Euch. Sollten Jauch + Co. Euch dabei angreifen, dann geht es auch denen zunächst einmal um den eigenen Einfluss. Doch wäre es nicht ein charmanter Gedanke, wenn sich Gerhard Zeiler einmal ein neues TV-Programm öffentlich-rechtlicher Prägung ausdächte? Oder wenn Anke Schäferkordt einmal mit freundlichem Blick durch die Intendanzen der Anstalten spazierte und überall kurz nachfragte: "Was bitte machen Sie hier, genau?"