Diagnose Burn-out: Wie Resilienz-Training hilft

Ausgebrannt, erschöpft, arbeitsunfähig: Burn-out ist inzwischen ein alltägliches Phänomen in Unternehmen. Auch in vielen Redaktionen suchen Verantwortliche nach Lösungen, Burn-out zu verhindern. Der Begriff Resilienz ist dabei von entscheidender Bedeutung. Resilienz kann helfen, dass Kreative in grauem Umfeld den Blick für die Farbe nicht verlieren.

Wieso reagieren zwei Menschen auf denselben Schicksalsschlag unterschiedlich? Warum gibt es diejenigen, die sich wie Phönix aus der Asche wieder erheben? "Was mich nicht umbringt, das macht mich härter." So lautet das scheinbar unerschütterliche Lebensmotto resilienter Menschen. Was aber ist dran an diesen Stehaufmännchen, die immer einen Ausweg finden und die wie Felsen in der Brandung kaum zu erschüttern sind?

Resilienz ist das neue Zauberwort in der Arbeitswelt von heute und morgen. Es bietet einen Ausweg aus der Burn-out-Spirale. Resilienz ist  - wie Stress - ein Begriff aus der Werkstoffkunde und beschreibt die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen. Übersetzt bedeutet es „abprallen“ und kann als „Widerstandsfähigkeit“ verstanden werden. Wie bei einem Stehaufmännchen, das sich aus jeder Position wieder aufrichten kann.

Wenn der Stress abprallt

Resilienz kann uns als Schutzschild vor jeglicher Form von Stress schützen, besonders aber vor negativen Einflüssen. So kann ein optimaler Aktivierungsgrad eingehalten werden, der Mensch bleibt gesund. Und das kann man mit erfahrenen Beratern regelrecht trainieren.

Die Ursprünge der Resilienzforschung findet man in den 50er Jahren in einer Studie der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner. Sie hatte Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwuchsen, über mehrere Jahrzehnte beobachtet und kam dabei zu erstaunlichen Ergebnissen. Anders als vermutet wuchs ein großer Teil zu selbstbewussten, leistungsfähigen und fürsorglichen Erwachsenen heran. Die Besonderheit war einfach und schnell gefunden: Die starken Kinder hatten zumindest eine Bezugsperson, die sich liebevoll um sie kümmerte. Hierbei waren auch Faktoren wie die Begegnung auf Augenhöhe, Geborgenheit, Lob für die Leistungen sowie die - unabhängig von Leistung und Wohlverhalten - gezeigte Liebe die Starkmacher für die Kinderseelen.

Als einer der ersten deutschen Fachleute für Resilienz ergänzt der Erlanger Psychologe Friedrich Lösel, dass es nicht darauf ankommt, seine Kinder in Watte zu packen. Ein Kind müsse lernen, sich in einem Streit zu behaupten und auch mal Frust auszuhalten. Sei ein Kind aber überfordert oder gescheitert, dann müsse jemand zur Unterstützung da sein. Hier geht es also nicht darum, unverwundbar zu sein. Verwundbar ist prinzipiell jeder, Unbesiegbarkeit kann man jedoch lernen. Oder wie Konrad Adenauer so treffend sagte: „Fallen ist weder gefährlich noch eine Schande. Liegenbleiben ist beides.“

Die Bestandteile des Schutzschildes

Woraus aber besteht nun das Geheimnis resilienter Menschen? Ein Teil des Geheimnisses ist die Achtsamkeit, die ein Mensch sich selbst entgegen bringt, sowie der gute Zugang zur eigenen Intuition. Die Frage, was gut für ihn ist und was nicht, hängt in hohem Maß mit dem Zugang zur eigenen Intuition zusammen. Wenn ein Mensch kongruent zu seinem Bauchgefühl handelt anstatt sich in kognitiven Gedankenspielen zu verirren, dann werden Job und Beziehung zu Kraftspendern und führen nicht permanent zu Energieverlust.
Ein weiterer Teil ist die Fähigkeit der Selbststeuerung und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Selbststeuerung bedeutet, die Fernbedienung über die eigenen Gefühle selbst in der Hand zu halten. Das merken Sie daran, dass nicht mehr jemand oder etwas "von außen" ein gutes oder schlechtes Gefühl macht. Sondern daran, dass derjenige selbst weiß, dass die eigene Realität für die eigenen Gefühle ausschlaggebend ist. Kurz gesagt: Es ist alles nur in Eurem Kopf. Selbstwirksamkeit bedeutet zu wissen, dass man selbst etwas bewirken kann. Oder anders: Hindernisse sind zum Überwinden da, Probleme zum Lösen. Wenn ich falle, stehe ich auf und probiere es erneut.

Die Erlaubnis zum Scheitern ist ein weiterer Bestandteil des Seelenschutzschilds. Wobei die Erlaubnis nicht gleichbedeutend ist mit dem Willen zum Scheitern. Die Erlaubnis zum Scheitern schafft nur in guter Weise eine absolute Nulllinie. Das soll nicht heißen, sich nur noch einfache Ziele zu stecken – im Gegenteil. Doch bei der eigenen Weiterentwicklung ist es wie in vielen Computerspielen. Die Aufgaben, die man lösen muss, orientieren sich immer am eigenen Stand der Fähigkeiten. So kann jeder mit ein wenig Anstrengung die ihm gestellten Aufgaben lösen, an ihnen wachsen und wieder ein wenig besser werden.

Eine Grundhaltung resilienter Menschen hat Albert Einstein einmal so auf den Punkt gebracht: „Die Entscheidung, ob wir in einer guten Welt, voller Liebe und Möglichkeiten leben oder in einer Welt voller Kampf, Feindseligkeit und Missgunst, ist die wichtigste Entscheidung in unserem Leben.“ In der Tat ist die Unterscheidung zwischen Optimismus und Pessimismus nichts anderes als eine Art der eigenen Fokussteuerung, die das eigene Erleben und damit das eigene Leben beeinflusst.

Fazit

Und wie hängt das nun mit Stress und Burn-out zusammen? Nun, Resilienz hilft, sich im täglichen Leben (sowohl im Job als auch im Privaten) gegen Stress zu schützen. Unbestritten ist, dass eine gewisse Menge an Stress aktiviert und auch für Höchstleistungen nötig ist. Wichtig ist aber der Umgang mit eher negativen Erlebnissen – auch als Disstress oder negativer Stress bekannt. Vor den Auswirkungen von negativem Stress schützt Resilienz und beugt einem Burn-out vor. Stress ist hierbei zu unterteilen in bewusste und unbewusste Stressoren. Vor bewussten Stressoren, meistens ausgelöst durch mangelhafte Kommunikation und fehlende Achtsamkeit, kann man sich leichter und direkter schützen. Diese werden zumindest schneller offensichtlich. Unbewusste Stressoren, wie schlechte Ernährung, zu wenig Schlaf, Lärm, falsche Beleuchtung, unzureichende Ergonomie – um nur einige zu nennen – wirken eher unbewusst auf den Körper.

Wenn man sich den "Stress-Puffer" eines Menschen ansieht (siehe Schema: "Stress-Puffer"/Kompensationsfähigkeit, also das Gesamtaufnahmevolumen) so wird deutlich: Nur ein bestimmtes Maß an Stress kann vom Körper "gepuffert" werden. Das ist individuell unterschiedlich und passiert eher unmerklich, was in gewisser Weise die schlechte Nachricht ist. Die gute Nachricht ist, dass jeder Körper einen ziemlich großen Puffer hat. Burn-out könnte man vereinfacht so beschreiben: Wenn das Fass überzulaufen droht oder überläuft, meldet der Körper per Abschaltung, dass es genug ist. Entgegenwirken, um im Bild zu bleiben, kann zum einen bedeuten, Stress in geeigneter Weise abzubauen (Ventil). Oder sich vor dem Stress zu schützen (per gezieltem Resilienztraining).

Doch welche Strategien man auch immer zum Leben und Überleben nutzt. Ein wenig mehr Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber - und das Wissen, dass jeder Mensch die Chance hat, selbst zu handeln und sich seine Wirklichkeit zu erschaffen - ist der wichtigste Schritt zu einem gesunden und zufriedenen Leben. Oder um es mit Marcus Aurelius zu sagen: "Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken."

Unser Autor Sebastian Mauritz ist Geschäftsführer der [mauritz + grewe] GmbH & Co KG. in Göttingen. Er arbeitet als Autor, Coach und Kommunikationstrainer. Hier finden Sie über ihn weitere Informationen.