Die "Challenge" für's Privatfernsehen

Für die privaten TV-Sender dürfte dies die Herausforderung 2015 werden: Wie halten sie es mit Google, Facebook, Youtube, Twitter und Co.? Die alte Strategie, vor allem auf eigene Ausspielwege zu setzen, ist von gestern.

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Was Matthias Büchs im Frühjahr 2014 über Twitter sagte, löste bei Beobachtern der Szene schon Erstaunen aus. Der Kurznachrichtendienst sei überschätzt, der Hype sei vorbei, die Reichweite zu gering und Facebook „deutlich relevanter“, wurde der Bereichsleiter von RTL interactive von den Kollegen von DWDL zitiert.

Nun ja. Eine weltweit die Berichterstattung - auch und gerade im Boulevardbereich - auf den Kopf stellende Newsmaschine so zu beschreiben, war schon gewagt. Büchs‘ RTL-Inside-Strategie ist prompt im Jahr 2014 (noch) nicht aufgegangen. Zugmieze „Rising star“ verweigerte den Steigflug - und die Inside App führt im Cosmos der klickenden, surfenden, WhattsAppenden Community eine Randexistenz. Der Name ist bezeichnend: RTL Inside. Man bleibt unter sich und erreicht die, die man ohnehin nur erreicht.

Die zitierte Einschätzung  von Twitter ist symptomatisch. Noch immer glauben viele TV-Macher an die Kraft und die Reichweite des Fernsehens allein und verstehen nicht, dass es da ein größeres Mammut gibt, dass wie bei „Ice Age“ jeden erwischt, der nicht groß oder schnell genug ist. Soll heißen: Die Kids schauen nicht mehr Fernsehen. Sie schauen Youtube.

Und somit ist das die in manchen TV-Formaten gesuchte „Challenge“ 2015 für die Strategen in Unterföhrung und Köln-Deutz: Wie schaffen sie es, eigene Inhalte zu bewahren und sich trotzdem besser mit dem Internet und dem Big-Player Google/Youtube zu vernetzen?

Man wünschte sich, dass junge Entwickler und Kreative in Fußballmannschaftsstärke in den Katakomben der Sendezentralen darüber nachdenken, wie man Magazine, Shows und Serien ins Netz bringt. Übrigens auch bei Sportübertragungen: Wenn RTL Fußball-Länderspiele zeigt, ist das Ereignis dem Sender kaum einen Tweet wert. Das mag angesichts der Marktanteile an solchen Abenden verständlich sein. Die Zielgruppe von morgen erreicht man so allerdings nicht.