Aktives Zuhören für Journalisten

Wenn Politiker nicht antworten und Journalisten nicht zuhören, heißt das Interview. Manchmal heißt es Talk-Show. Die Fragesteller sind oft nicht bei der Sache, sondern bei sich und ihren Notizen. Oder ihren Moderationskarten. Sie überhören, welche Chancen ihnen das Gespräch bietet. Manchmal schauen sie ihren Gesprächspartner nicht einmal an, wenn dieser antwortet. Dabei könnte es so einfach sein.

Es galt immer als gutes Journalisten-Handwerk, sich intensiv auf ein Interview vorzubereiten. Mit wem rede ich? Warum redet der mit mir? Was will der loswerden? Und wenn er auf meine Frage A nicht antwortet, welche Frage B kann ich stellen?

Aber weil Moderatoren sich immer seltener Gedanken über Frage B machen, sondern über den nächsten Aspekt des Themas nachdenken, sind manche Talkrunden so unbefriedigend. Oder - im Gegenteil - erfrischend, wenn Maybrit Illner oder Giovanni die Lorenzo die Gesprächs- führung haben. Gesprächsführung, auch ein schönes Wort in diesem Zusammenhang.

Man sollte ihnen die Karten wegnehmen. Angesichts der Qualifikation und Erfahrung müsste das doch zu schaffen sein. Und wenn die Unsicherheiten bei den Moderatoren darüber zu groß werden, sei ihnen die Lektüre der Bücher des amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers empfohlen.

Auf Rogers geht die Technik des "Aktiven Zuhörens" zurück. Dazu gehört: Sich in den anderen hinein zu versetzen, sich auch körperlich dem Interviewpartner zuzuwenden und – vor allem – sich selber zurückzunehmen. Außerdem: Paraphrasieren, nachfragen, zusammenfassen und unklare Punkte immer ansprechen. Und schließlich auch, Gefühle des Gegenübers zu spiegeln, in Worte zu fassen. „Sie hat das geärgert, nicht wahr?“ Techniken, die jedem Journalisten helfen. Wir unterstützen Sie dabei, diese Praktiken einzuüben.

Wie gut das "Aktive Zuhören" funktioniert, kann man in der Nacht bei 1LIVE-Moderator Jürgen Domian beobachten, der seine Gesprächspartner am Telefon nicht einmal sehen kann und dennoch ganz bei ihnen ist. Aktiv zuhörend, mit Empathie nachfragend. Ähnlich wie Carl Rogers. Wie er und sein Kollege Richard Farson einmal mit sehr einfachen Mitteln aus einer Gruppe fremder Menschen eine ganze Menge herausholten: JOURNEY INTO SELF, der Dokumentarfilm aus dem Jahr 1969: